Projekt blu:boks in Lichtenberg – „Selbstwert durch kreative Bildung“

Vom Forum mit Volker Kauder im schicken Berliner Ortsteil Tiergarten fahre ich nach Lichtenberg. Als ich aus der Tram aussteige, bin ich wie in einer anderen Welt. Die Wohngebäude in diesem dicht besiedelten Stadtteil sehen eintönig aus. Ich folge der Wegbeschreibung auf meinem Smartphone in eine Nebenstraße und komme zu einem Platz, etwa 100 mal 200 Meter groß, der auf allen vier Seiten komplett von zehngeschossigen Wohnhäusern umgeben ist. Die Sonne steht jetzt um 15:30 Uhr schon recht tief, und irgendwie fühlt es sich im Schatten der grauen Wohnblöcke eingeengt an.

Mitten auf dem Platz steht das moderne Gebäude der blu:boks. Das Projekt möchte „Kinder stark machen. Jeden Tag“, wie ich zuvor auf der Website gelesen habe. Und: „Wir fördern das kreative Potenzial von Kindern und Jugendlichen, um ihr Selbstwertgefühl zu entwickeln und zu stärken.“ Gespannt betrete ich die blu:boks, komme in ein schick und gemütlich eingerichtetes Café, folge dem Hinweis eines Mitarbeiters und gehe ins obere Stockwerk. Dort laufe ich durch einen Flur, an dessen Wänden viele Bilder von Kindern und Jugendlichen hängen, die tanzen, singen, Spaß haben – glücklich aussehen. Der Flur hat den Namen „Hall of Fame“, wie ich später erfahre.

Die anderen DYNAMISSIO-Teilnehmer treffe ich in einem großen Saal mit Bühne. blu:boks-Leiter Carsten Stier berichtet über das schwierige soziale Umfeld in dem Berliner Kiez. 58 Prozent der Kinder dort sind von Armut betroffen. Viele Eltern können es sich nicht leisten, ihrem Nachwuchs Musikunterricht oder kulturelle Bildung zu bezahlen. Die Heranwachsenden haben kaum eine Möglichkeit, ihre Begabungen und Talente zu entwickeln. Es fehlen Vorbilder, und oft macht sich Resignation breit. Hier setzt die blu:boks an. In Workshops zu Musik, Tanz, Schauspiel und Handwerk bietet sie den jungen Menschen die Möglichkeit, neue Seiten an sich zu entdecken und zu entfalten.

Wir schauen uns ein Video an, in dem Eltern sagen, wie sie die blu:boks erleben. Eine Mutter berichtet, wie ihr kleiner Sohn wieder Mut und Lebensfreude gewonnen hat, nachdem sie in seiner Erziehung nicht mehr weiterwusste. Eine andere Frau erzählt, dass ihre Kinder sehr traurig wären, gäbe es dieses Angebot nicht mehr. Die Videosequenzen rühren an, machen nachdenklich. Tolles Konzept, denke ich. Die Kinder werden nicht sich selbst überlassen, sondern haben ein gemeinsames Projekt, eine Aufgabe. Die Workshops sind immer Vorbereitung für Auftritte, erst im kleinen Rahmen, am Ende in einer großen Halle. Zurück in der „Hall of Fame“ sehe ich ein Werbeplakat aus dem Jahr 2011: „Zeig was Du kannst! Die große Bühnenproduktion mit Kindern und Jugendlichen aus Berlin-Lichtenberg im Tempodrom.“

In dem Gebäude in Lichtenberg ist auch eine Kita. Diese trägt sich selbst, während die blu:boks sich aus Fördermitteln und Spenden finanziert. Beide haben ein ähnliches Konzept: Musik, Kunst, Selbstwert stärken. Die Kita deckt das Alter 0 bis 6 ab, die blu:boks 6 bis 18. Somit sind all die Jahre abgedeckt, die für die Entwicklung so wichtig sind. Und dann, mit 18, können die jungen Leute selbst mitarbeiten und den Jüngeren das geben, was sie in der blu:boks selbst erfahren haben: Mut, Zuversicht, eine Perspektive.

Text: Michael Gruber (DYNAMISSIO-Presseteam)
Bilder: Michael Gruber

Weitere Fotos finden Sie unter dynamissio.de/fotostream.

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