Plenum WELT – „Die Liebe Jesu Christi ausstrahlen – das ist die Authentizität der Kirche.“

„Unseren Glauben leben – in der Welt und für die Welt!“ – Heinrich Bedford-Strohm hält Bibelarbeit bei DYNAMISSIO

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, hat angesichts von Terror und Gewalt Christinnen und Christen dazu aufgerufen, „Botschafter der Versöhnung“ zu sein. Beim missionarischen Gemeindekongress DYNAMISSIO sagte der Theologe am Freitag, den 25. März, in Berlin, viele Menschen seien erschrocken und verunsichert über „Staatspräsidenten, die anderen Staaten und Politikern Nazi-Vorwürfe entgegenbringen“, über die Pläne, neue Mauern zu errichten und über wachsende Entfremdung und Zwietracht. Auch der Anschlag in London mache sehr betroffen, wo Menschen auf einer Brücke von einem irren Attentäter überfahren worden seien. Aber „weil Christus unter uns ist, reagieren wir nicht mit Hass auf Gewalt. Und wir überlassen nicht der Angst das Feld.“

Die Themenabfolge des DYNAMISSIO-Kongresses sei mit „Evangelium, Gemeinde, Welt und Sendung“ klug gewählt, so Bedford-Strohm. „Weil das unser Auftrag ist: die Welt wahrzunehmen und in dieser Welt als Christinnen und Christen unseren Glauben zu leben – in der Welt und für die Welt!“

Der Blick ändere sich, wenn man mit den Augen der Versöhnung auf die Welt schaue: „Botschafter der Versöhnung sein heißt, dass in allem, was an Maßnahmen notwendig ist, die Logik der Gewalt nicht Macht über unsere Herzen gewinnt. Botschafter der Versöhnung sein, heißt, die Angst zu überwinden und mit Kraft, Liebe und Besonnenheit zu reagieren. Botschafter der Versöhnung sein, heißt, vom Sieg des Lebens zu wissen und deswegen innere Freiheit zu gewinnen und aus der Zuversicht zu leben.“

Die Versöhnung, von der die Bibel berichtet, bezieht sich auf die ganze Welt, betonte der EKD-Ratsvorsitzenden: „‚Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber…‘ – sagt Paulus. Da steht nicht: versöhnte die Frommen, da steht nicht: versöhnte die Christen, da steht nicht: versöhnte die Menschen guten Willens. Nein! Da steht: Gott versöhnte die Welt mit sich selber. Auf Griechisch: ‚ton kosmon‘ – den ganzen Kosmos!! Dieser Satz – anders kann ich ihn nicht lesen – ist eine große Liebeserklärung an die Welt.“ An dieser Liebe zur Welt und an der liebenden Zugewandtheit zu konkreten Menschen, unabhängig von ihren religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen, entscheide es sich: „Geht es wirklich um radikale Christusliebe oder geht es nur um Bekenntnisformeln, denen es an Authentizität fehlt?“ Christen selbst lebten von dieser Versöhnungsbotschaft. „Wir hören sie manchmal selbst nicht. Aber wir lassen uns immer wieder von neuem von ihr rufen.“

 

Prof. Dr. Tobias Faix: „Die Stadt mit Gottes Augen sehen“

Prof. Dr. Tobias Faix ermutigte die Zuhörer in seinem Kurzimpuls, sich von Gott die Augen öffnen zu lassen, um zu erkennen, wie Gott die Stadt – als Sinnbild für die Welt –  sieht.  Wo man selbst etwa in einer Menschenmenge vielleicht nur eine anonyme Masse erkenne, nehme Gott eine große Menge an „Gottesebenbildlichkeit“ wahr, denn auch für all diese Menschen sei Jesus am Kreuz gestorben. Als Christ solle man lernbereit, mit Zeit für Begegnung und betend durch die Stadt gehen, so Faix. Einer seiner Freunde habe in diesem Sinne einmal eine Gruppe Obdachloser zum Abendmahl eingeladen, anstatt nur jeden Tag verschämt an ihnen vorbeizugehen. Der Freund habe zu ihnen gesagt: „Gott sieht euch, und ich will euch auch sehen.“ Dies habe bei den Obdachlosen etwas verändert, so Faix: „Und bei mir selbst auch.“

 

Um die Liebe für die Stadt ging es Pfarrerin Claudia Filker.

Mit Hinweis auf den Slogan der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) „Weil wir dich lieben“ erinnerte sie die Zuhörerinnen und Zuhörer daran, dass die meisten von ihnen auf dem Weg ins Velodrom, dem Veranstaltungsort von DYNAMISSIO, heute schon eine Liebeserklärung bekommen hätten.  In einem Werbeclip habe die BVG diese Aussage sogar noch gesteigert zu „Nur wir lieben dich so wie du bist“. Damit spreche die Firma eine Ursehnsucht des Menschen an, so Filker: „Ich möchte sein, wer ich bin. Ich möchte geliebt werden um meiner selbst willen.“ Und die ganz einfache Antwort auf diese Sehnsucht sei: „Jesus liebt dich!“ Mit fünf „Prüfmerkmalen für das eigene Herz“ könne jeder erkennen, wie sich die eigene Liebe zur Stadt und ihren Menschen darstelle: Die Liebe lässt sich verletzen. Liebe dreht sich nicht um sich selbst . Liebe schaut hin.  Liebe ist nicht in der Angst. Die Liebe will nicht recht haben. Und so lud Claudia Filker ihre Zuhörerinnen und Zuhörer abschließend ein, loszugehen und „zu zeigen, was ich liebe.“

 

Texte: Silke Römhild, Julia Grundmann und Michael Gruber, DYNAMISSIO-Presseteam
Bilder: Mara Feßmann, Jonas Peschel

Weitere Fotos finden Sie unter dynamissio.de/fotostream.
Ein Skript des Plenums WELT mit Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm finden Sie hier.

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