Plenum EVANGELIUM – GEMEINDE – WELT – „Heraus gefordert durch das Beispiel Christi“

Christliche Mission ist durch die Globalisierung und ihre Folgen herausgefordert, erklärte die mittelamerikanische Theologin Ruth Padilla DeBorst am Abend des zweiten Kongresstages bei DYNAMISSIO, dem missionarischen Gemeindekongress 2017, in Berlin. „Heraus-gefordert“ im wahrsten Sinne des Wortes: heraus aus der Weltsicht, dass finanzielle Unabhängigkeit und unbegrenztes Geldausgeben ein gutes Leben und wahre Freiheit bedeuteten. Heraus aus der Meinung, dass die Welt nun mal so sei und sich daran nie etwas ändern wird. Heraus aus der Versuchung, sich vom Leiden in der Welt abzuwenden. „Wir sind über all das hinaus gesandt als Verkörperung einer ganz anderen Geschichte dieser Welt.“

Den Einstieg in ihren Vortrag im Plenum zum Thema „Evangelium – Gemeinde – Welt“ bildete eine Schilderung der Situation in El Salvador. Über die Hälfte der Bevölkerung dort lebt unter der Armutsgrenze. Gewalt ist an der Tagesordnung. Jeden Tag versuchen Hunderte von Menschen, in die USA zu fliehen. „Eltern erhoffen sich mehr Sicherheit für ihre Kinder, indem sie sie lieber auf Lastwagen hinter Obstkisten versteckt auf die Reise schicken, als sie in den gewalttätigen Stadtteilen daheim aufwachsen zu lassen.“ Seit dem Ende des Bürgerkrieges vor 12 Jahren sind mehr Menschen gewaltsam ums Leben gekommen als während des Bürgerkrieges selbst.

„Nun könnten Sie sich natürlich fragen: Was hat das mit mir zu tun, mit uns hier in Deutschland? Und was hat das mit christlicher Mission zu tun?“ Ruth Padilla DeBorst lud die Teilnehmenden zu einem neuen Blick auf die Welt ein: „Das Leiden der Menschen in El Salvador, in Syrien, im Iran, in der demokratischen Republik Kongo und aller anderen Menschen ist eine Realität, der wir nicht ausweichen können. Es ist die Realität, in die wir als Kirche gesandt sind, in den Fußspuren unseres Herrn.“ Je tiefer man sich mit der Globalisierung auseinandersetze, desto klarer seien die Verknüpfungen mit einer „homogenisierten globalen Konsummentalität“.

Jesus habe in seiner Mission Grenzen überschritten und sich den Außenseitern zugewandt: den Ausgestoßenen, den Frauen mit dem schlechten Ruf, den Ausländern, sogar den Soldaten der verhassten römischen Besatzerarmee. Seine Mission habe nicht aus bloßen Worten bestanden. Und auch seine Nachfolger seien aufgerufen, für eine gerechtere und würdevollere Zukunft aller Menschen zu handeln.

„Diejenigen, die sich als Töchter und Söhne Gottes verstehen, leben einfach und genügsam und können unterscheiden zwischen Bedürfnis und überflüssigem Verlangen. Sie schaffen nachhaltigere Alternativen, recyceln und begrenzen den Verbrauch natürlicher Ressourcen. Die Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu erkennen, dass das Leben ein Geschenk ist, das nur empfangen werden kann, indem man es teilt, und das nur erhalten werden kann, indem man es vollständig für andere hingibt.“ Der Sinn des christlichen Lebens sei es, Gottes gerechte Herrschaft zu verkünden, zur Befreiung durch Gottes Geist einzuladen und die Beziehung zum Schöpfer und den Geschöpfen wiederherzustellen. „Denn wir sind heraus-gefordert aus den bloßen Worten hin zu Taten. Aus der Gnade zur Gerechtigkeit. Aus der Bequemlichkeit in die schmerzhafte Wiedergeburt. Möge der auferstandene Christus uns dazu den Mut geben.“

Text: Silke Römhild, DYNAMISSIO-Presseteam
Bilder: Mara Feßmann und Jonas Peschel

Weitere Fotos finden Sie unter dynamissio.de/fotostream.

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