Forum mit Volker Kauder – „Religionsfreiheit – Recht und Herausforderung in Deutschland“

Auf dem Weg zum Forum mit Volker Kauder hat mein Navi mich zunächst auf die falsche Fährte gesetzt. Okay, genau genommen habe ich bei der Eingabe nicht richtig aufgepasst und lande deshalb im Haus der Konrad-Adenauer-Stiftung, wo man von einem DYNAMISSIO-Forum nichts weiß. Aber die freundliche Dame an der Rezeption setzt mich diesmal auf die richtige Fährte, und sieben Fußminuten später bin ich im Konrad-Adenauer-Haus. Der herrliche Sonnenschein im Berliner Ortsteil Tiergarten entschädigt mich für den Umweg, und das Ambiente am Veranstaltungsort ist sehr ansprechend. Gediegen geht es hier zu, im Café neben dem Foyer der Bundesgeschäftsstelle der CDU. Dunkles Parkett, wohlriechender Kaffee, in dessen Genuss ich aus Zeitgründen allerdings nicht mehr komme, Wasser und Cola, gut gekühlt, für die Zuhörerinnen und Zuhörer, von denen etwa 180 gekommen sind.

Und dann kommt Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Der Impetus, mit dem er während seines gesamten Vortrags spricht, und seine Wortwahl machen deutlich, dass Religionsfreiheit für ihn ein großes Herzensanliegen ist. Manche denken, Religion sei nur anerzogen, sagt er, doch in Wahrheit „gehört sie zum Wesen des Menschen.“ Es werde viel über Menschenrechte gesprochen, das Recht auf Arbeit oder sauberes Wasser etwa, „aber das Entscheidende ist, meinen Glauben leben zu dürfen – frei und unbedrängt – und darüber mit anderen auch sprechen zu dürfen. Wo es keine Religionsfreiheit gibt, gibt es keine Freiheit.“

In vielen Ländern weltweit werde die Religionsfreiheit deutlich eingeschränkt, in Russland oder China etwa. Christen seien aber vor allem dort bedrängt, wo der Islam prägende Kraft sei, so Kauder. In Syrien oder dem Irak beispielsweise gebe es zunehmend „christenfreie Regionen“. Viele der verfolgten Christen müssten sich auf den Weg nach Europa machen „Wenn Menschen aus Ländern zu uns kommen, in denen sie wegen ihres Glaubens verfolgt werden, müssen wir sie in Deutschland aufnehmen“, ist Kauder überzeugt.

Eines ist für Volker Kauder dabei besonders wichtig: Die Forderung nach Religionsfreiheit darf nicht einseitig sein. Als Christ setze er sich für seine Glaubensgeschwister ein, aber ebenso für Menschen anderer Religionen. Juden sollen ihre Synagogen besuchen dürfen und Muslime ihre Moscheen bauen, betont er und erklärt: „Wir sind nur glaubwürdig, wenn wir auch für die Freiheit der anderen Religionen eintreten.“

Kauder macht in seinem Vortrag an vielen Stellen deutlich, dass der Einsatz für Religionsfreiheit für ihn nichts ist, das nur in entfernten Ländern geschehen muss, sondern auch hierzulande. So dürfe es etwa nicht sein, dass Menschen, die wegen ihres Glaubens aus ihrer Heimat geflüchtet seien, in deutschen Flüchtlingsunterkünften nun wieder verfolgt würden. Für Kauder reicht es in solchen Fällen nicht, die unterschiedlichen Religionsgruppen getrennt voneinander unterzubringen: „In den Flüchtlingseinrichtungen muss bereits durchgesetzt werden, dass es in Deutschland Religionsfreiheit gibt. Eine Trennung wäre eine Kapitulation.“

Ebenso engagiert wie der Vortrag ist die Fragerunde danach. Ein junger Mann, der für eine christliche Studentenorganisation arbeitet, beklagt, christliche Gruppen würden von den Universitäten teilweise ausgeschlossen, bekämen keine Räume – und das explizit mit der Begründung, dass sie christlich seien. Er und seine Mitstreiter hätten schon einiges versucht und wüssten nun nicht mehr, was sie dagegen tun könnten. Volker Kauders Antwort mag den jungen Mann überrascht haben, denn er hält solche Entscheidungen für richtig – allerdings nur dann, wenn mit anderen religiösen Gruppen in gleicher Weise verfahren wird. Kauder führt seine Position der Gleichbehandlung weiter aus: „Ich bin leidenschaftlich dafür, dass der säkulare Staat mit seinen Staatsdienern den Menschen gegenüber auch säkular auftritt.“ Wer sich gegen Lehrerinnen mit Kopftüchern wende, müsse auch damit leben, dass das Kreuz in Klassenzimmern abgenommen wird. Und in diesem Sinne müsse eben auch eine öffentliche Universität alle Religionen gleich behandeln.

Als eine Zuhörerin sich wegen des Islams in Deutschland besorgt zeigt, entgegnet Volker Kauder, es gehe bei Religionsfreiheit nicht nur darum, den Andersgläubigen zu akzeptieren, sondern auch mit Leidenschaft über den eigenen Glauben zu sprechen: „Es wurmt mich, dass wir uns immer mehr aus dem ‚gegen den Islam‘ als ‚für Christus‘ definieren.“ Er habe keine Angst vor einer immer schnelleren Islamisierung, sondern vor einer immer schnelleren Entchristianisierung, so Kauder. „Gott hat den Menschen nach seinem Bild geschaffen, Christen und Muslime. Und wir Christen sind Werkzeug Gottes mit Herzen, Mund und Händen.“

Text: Michael Gruber, DYNAMISSIO-Presseteam
Bilder: Alexander Zehrer

Weitere Fotos finden Sie unter dynamissio.de/fotostream.

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