Forum mit Andreas Goetze – „Zivilgesellschaftlicher Friede und Vielfalt der Religionen“

„Wie finden wir einen konstruktiven Umgang mit Differenz?“, „Wie kann man die Angst vor dem Fremden abbauen?“, „Sollte einem nicht eher die Einfalt statt die Vielfalt der Menschen Sorge bereiten?“ – diese und andere Fragen bringen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit in das Forum „Zivilgesellschaftlicher Friede und Vielfalt der Religionen“. Im Stuhlkreis sitzen sie zusammen, und sie unterschätzen die Herausforderungen eines Miteinanders unterschiedlicher Religionen nicht, sind aber – so klingt es jedenfalls mehrheitlich an – ernsthaft darum bemüht, sich diesen Herausforderungen zu stellen.

Der Referent Dr. Rüdiger Sachau ist leider kurzfristig erkrankt, deshalb gibt Dr. Andreas Goetze, Landespfarrer für den interreligiösen Dialog der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische-Oberlausitz, die Gesprächsimpulse. Berlin ist die Stadt mit den meisten Religionsgemeinschaften in Europa. Über 300 gibt es hier. Und deshalb weiß Pfarrer Goetze auch von vielen interreligiösen Begegnungen zu berichten. Zum Beispiel von dem Besuch im Hindu-Tempel, von dem er so angetan war: von den vielen Düften, dem kunstvollen Schmuck und der besonderen Form der Spiritualität. Und von seiner Verunsicherung, als ein Vertreter des Tempels seinen Gegenbesuch im protestantischen Gottesdienst machen wollte, weil da doch eine sehr nüchterne Liturgie gefeiert wird.  Doch der hinduistische Gottesdienstbesucher war ganz fasziniert von der Stringenz der Liturgie und sagte: „Schön, dass ihr so ein klares Profil habt.“ „Da kam jemand von außen“, sagt Goetze, „aus einer anderen Religion, und half mir, in meinem religiösen Leben wieder etwas wertzuschätzen, das ich vorher vielleicht gar nicht so wahrgenommen hatte.“

Natürlich gibt es auch Verletzungen im religiösen Miteinander und natürlich ist das anstrengend und nicht immer leicht auszuhalten, bekennt Goetze, aber „es kommt auf meine Haltung an und auf die Haltung meines Gegenübers: Wir müssen lernen, dass in der Differenz eine Würde liegt.“ Ein großer Punkt dabei ist, davon ist Goetze überzeugt, das eigene Offenbarungsverständnis: „Dialog bedeutet, sich auseinanderzusetzen auf dem Weg. Das ist kein Standpunkt, sondern eine Bewegung. Wenn Offenbarung etwas ist, was sich mir nach und nach erschließt, dann habe ich Wahrheit nicht im Besitz.“ Und dann kann, so Goetze, „in den anderen Religionen das Welthandeln Gottes erfahrbar werden.“

Ein weiterer Aspekt ist für ihn wichtig: „Je mehr Christen und Christinnen in ihrem eigenen Glauben gefestigt sind, desto weniger haben sie Angst vor dem Glauben anderer. Denn Wahrheit hat immer auch was mit Verlässlichkeit zu tun.“ Und mehr noch: „Den eigenen Glauben kann man sehr gut reflektieren, wenn man Fragen von anderen dazu gestellt bekommt.“ Doch dazu müsse Vertrauen zwischen den Gesprächspartnern herrschen. „Deshalb“, betont Goetze“, „werde ich nicht müde zu sagen: Schafft Räume der Begegnung, nur so wächst Vertrauen! Das ist mühevoll, aber die einzige Möglichkeit, mit der ich polarisierende Strukturen aufbrechen kann. Ich wünsche Ihnen die Lust dazu, solche Orte zu kreieren!“

Text: Julia Grundmann, DYNAMISSIO-Presseteam
Bild: Julia Grundmann

Weitere Fotos finden Sie unter dynamissio.de/fotostream.

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