Da steppt der Bär …

Vom 23.–25. März 2017 findet im Berliner Velodrom der missionarische Gemeindekongress DYNAMISSIO statt. Pfarrerin Birgit Winterhoff, ehemalige Leiterin des Amtes für missionarische Dienste in der Ev. Kirche von Westfalen, ist mit von der Partie und meint: Die Tagung und die Stadt sind unbedingt eine Reise wert.

Kürzlich wollte ich die Beleuchtung am Fahrrad meiner Tochter reparieren. Als ich den Verkäufer im Fachgeschäft nach einem Dynamo fragte, sagte der mir: „Haben wir nicht mehr im Angebot; ist von vorgestern.“ Trifft das nicht auch auf Mission zu?

Birgit Winterhoff: Nein. Jesus hat seine Jünger beauftragt, den Glauben in Wort und Tat zu bezeugen. In der christlichen Gemeinde werden Christen ermutigt, ihren Glauben im Alltag zu bekennen. „Die Kirche ist die einzige Organisation, die für diejenigen existiert, die nicht ihre Mitglieder sind“, hat William Temple, ehemaliger Erzbischof von Canterbury, gesagt. Oder, um es mit Worten von Fulbert Steffensky zu sagen: „Mission heißt zeigen, was man liebt“.

Die Ziele von DYNAMISSIO kann man am besten gemeinsam erreichen.

Welche Idee steckt hinter DYNAMISSIO?

DYNAMISSIO soll Gemeinden ermutigen und befähigen, Christus in unserer Welt zu bezeugen; helfen, dass Gemeinden sich aufmachen für und zu Menschen in unserer Welt; anregen, dem Evangelium im Leben Gestalt zu geben.

Das Jahr 2017 ist voll gespickt mit Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum. Warum sollte sich die Menschen diesen Kongress nicht entgehen lassen? Was ist das Alleinstellungsmerkmal?

Die Ziele von DYNAMISSIO kann man am besten gemeinsam erreichen. Darum haben sich Christen unterschiedlichster Frömmigkeitsrichtungen und gemeindlicher Traditionen zusammengetan, um diesen außergewöhnlichen Kongress zu veranstalten: Vertreter aus Landeskirchen, Gemeinschaften, Werken, Verbänden, Initiativen und Freikirchen. DYNAMISSIO ist der Kongress der innerevangelischen Ökumene. Den sollte man wirklich nicht verpassen. Ehren- und Hauptamtliche sind herzlich eingeladen.

Die Liste der Rednerinnen und Redner offenbart eine große Bandbreite unterschiedlicher Frömmigkeitsrichtungen und -traditionen. Ist dies gewollt? Und falls ja, was verspricht sich der Veranstalter davon?

Ja, diese Bandbreite ist gewollt, weil wir uns gegenseitig inspirieren und voneinander lernen wollen. Meine Erfahrung ist, dass Mitarbeitende häufig zwar die Verantwortlichen in der eigenen Kirche, im eigenen Werk kennen, aber nicht die der anderen. „Ach, den wollte ich doch immer schon mal live erleben“, sagte mir vor kurzem ein Mitarbeiter. „Bislang hat es nicht geklappt.“ Ich habe ihm gesagt: Dann komm zu DYNAMISSIO. Dort ist dazu Gelegenheit. Der Kongress bietet die Chance, den Horizont zu erweitern.

Mit Konferenzen verbinde ich Frontalveranstaltungen und sitzen, sitzen, sitzen. Gibt es bei DYNAMISSIO auch dynamischere Elemente?

DYNAMISSIO bietet natürlich sehr gute Plenumsveranstaltungen mit interessanten Referenten, guter Musik, Filmbeiträgen und vielem anderen mehr. Daneben gibt es Foren, Arbeitsgruppen und Workshops. Hier kann man Impulse mitnehmen, aber auch sich einbringen. Am Freitagnachmittag macht sich z.B. der Kongress auf den Weg, um Projektein Berlin zu besuchen oder Gespräche mit Politikern, Kulturschaffenden, Gewerkschaftern usw. zu führen.

Welchem Programmpunkt fiebern Sie persönlich am meisten entgegen?

Ich freue mich besonders auf den Abendmahlsgottesdienst. Ob wir von Jesus lernen? Ob wir den Mitchristen als Ergänzung sehen können und nicht als Konkurrenten? Vorbereitet wird dieser Gottesdienst von Dr. Michael Diener, Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftssverbandes, Christoph Stiba, dem Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, und mir.

Warum sollte man sich am 23. März 2017 in die Hauptstadt der Bundesrepublik aufmachen?

Weil DYNAMISSIO in Berlin die Lebenswirklichkeit und das Lebensgefühl eines wachsenden Teils dieser Gesellschaft widerspiegelt: urbanes Leben in dennoch überschaubaren Gemeinwesen („Kiez“). Zugleich wird postmoderne Lebenskultur transportiert. Schließlich soll deutlich werden, dass Evangelisation da ist, wo der Bär steppt und wo Politik und gesellschaftliches Leben zu Hause sind. Und Berlin ist immer eine Reise wert.


Zu dem Autor

Pfarrerin Birgit Winterhoff, ehemalige Leiterin des Amtes für missionarische Dienste in der Ev. Kirche von Westfalen und Sprecherin bei DYNAMISSIO 2017 in Berlin. Das Interview führte Rüdiger Jope. Es erschien in der Zeitschrift 3E - echt. evangelisch. engagiert.

Pfarrerin Birgit Winterhoff, ehemalige Leiterin des Amtes für missionarische Dienste in der Ev. Kirche von Westfalen und Sprecherin bei DYNAMISSIO 2017 in Berlin. Das Interview führte Rüdiger Jope. Es erschien in der Zeitschrift 3E – echt. evangelisch. engagiert.

 

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